Greg Bovino, ehemaliger Commander der US-Grenzschutzbehörde Martin Sellner, ehemaliger Chef der Identitären Bewegung in Österreich
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Wie rechtsextrem muss man sein, um „Remigration“ zu fordern? Ein langer Tag auf einem Parkplatz in Portugal und einschlägige, prominente Aktivisten liefern Antworten.

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Auf dem Parkplatz der „Salmanha Residence“, einem schmucken Anwesen am Rande der portugiesischen Kleinstadt Figueira da Foz, trudeln an diesem Samstag, dem 30. Mai, wie an Wochenenden üblich, Scharen von Gästen ein. Aber etwas ist anders als sonst. Es handelt sich nicht um eine Hochzeitsgesellschaft, wofür das Hotel mit Veranstaltungssaal, Trauungsterrasse, Garten und Pool besonders gut ausgestattet ist. Die Leute, die aus den Bussen klettern, wollen hier vielmehr Geschichte schreiben.

Eigentlich hatten sie vorgehabt, das in Porto zu tun, so stand es in der Ankündigung ihrer Veranstaltung. Doch am Ende mussten sie nach Figueira da Foz ausweichen, 130 Kilometer entfernt von Portugals zweitgrößter Stadt Porto und damit auch vom nächstgelegenen Flughafen. Dass sie in Porto selbst oder wenigstens in der Nähe nirgends willkommen waren, liegt an den Teilnehmern des Treffens.

Sie haben sich festlich herausgeputzt, die Auffälligkeiten liegen in den Details. Eine Gruppe versammelt sich gleich nach ihrer Ankunft in einer Ecke des Parkplatzes und entrollt eine Deutschland-Flagge mit dem Logo des rechten Online-Mediums „Deutschland-Kurier“. Einer der Männer mit auffallend hoch rasiertem Kopf und messerscharfem Scheitel schießt ein Erinnerungsfoto.

Die Abordnung des "Deutschland-Kurier" stellt sich mit Deutschland-Flagge zum Erinnerungsfoto auf.
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Die Rechten kommen

Daniel Tyrie, kanadischer Staatsbürger im blauen Anzug mit rot-grau-gestreifter Krawatte, trägt ein Landeswappen am Revers, allerdings nicht das offizielle Ahornblatt Kanadas. Der Gründer der nationalistischen „Dominion Society“ bevorzugt die alte Version, auf der „die ethnischen Fundamente Kanadas symbolisiert sind: die Schotten, die Engländer, die Iren und die Franzosen“, wie Tyrie stolz erklärt.

Später an diesem Tag wird noch deutlich werden, dass einige der illustren Gäste bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, wofür sie im großen Versammlungssaal viel Applaus bekommen werden.

Es ist nicht zu übersehen, wen die „Salmanha Residence“ an diesem Tag beherbergt: die am weitesten rechts stehenden Aktivisten, Politiker und Propagandisten Europas, dazu ein paar aus Übersee. Sie nennen ihr Treffen „Remigrations-Gipfel“, und dieser Begriff – „Remigration“ – vereint sie und treibt sie an. Martin Sellner ist da, 37, einst Kopf der österreichischen Identitären Bewegung, mittlerweile freischaffender Rechtsextremist; Afonso Gonçalves, 26, Anführer der rechtsextremen portugiesischen Gruppe Reconquista und bekannt für seine Forderung, den Frauen das Wahlrecht zu entziehen; Dries Van Langenhove, 33, wegen Hassrede zweifach verurteilter, ehemaliger belgischer Abgeordneter; Eva Vlaardingerbroek, 29, in sozialen Medien einflussreiche Vertreterin der rassistischen Verschwörungserzählung vom „Großen Bevölkerungsaustausch“, der glauben machen will, die weiße Bevölkerung Europas solle durch nicht-weiße Immigranten ersetzt werden; drei Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD), darunter Kay Gottschalk, 60, einer der Parteigründer; Jared Taylor, 74, US-Vertreter des rassistischen „White Nationalism“, und viele mehr.

Maximilian Märkl, Chef der Identitären Bewegung in Deutschland, am Rednerpult der "Remigrations-Konferenz"
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Die Frage liegt nahe, weshalb man ein solches Event, dessen ideologische Abseitigkeit noch um einiges krasser ist als die Abgelegenheit des Veranstaltungsortes, nicht einfach ignoriert. Tatsächlich aber stehen auf dem Parkplatz, der sich immer mehr mit Bussen und Leuten füllt, auch Journalisten von CNN, „Politico“, „Spiegel TV“, „Le Monde“, „Wired“ und profil. Das hat einen Grund.

Robert Treichler

Robert Treichler

Ressortleitung Ausland, stellvertretender Chefredakteur.