Soldaten blicken über einen Hügel
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„Russland würde jeden Krieg gegen Europa verlieren“

Riho Terras war Oberbefehlshaber der estnischen Streitkräfte, bevor er 2020 ins EU-Parlament einzog. Der konservative Politiker über den Ernstfall eines russischen Angriffs auf sein Land, seinen Glauben an die NATO und das österreichische Feigenblatt Neutralität.

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In der Armee in Estland haben Sie den Ton angegeben, im Europäischen Parlament müssen Sie Kompromisse suchen. Wie geht es Ihnen mit dieser Umstellung?

Riho Terras

Ich finde es schade, dass ich mich auch hier mit Sicherheitspolitik beschäftigen muss. Als ich 2020 hier ankam, war ich im Ausschuss für Landwirtschaft und Industrie, ich wollte meinen Fokus ändern. Aber dann hat Russland den großen Angriff gegen die Ukraine gestartet, und ich musste doch in den Verteidigungsausschuss. In der vorigen Legislaturperiode war ich dort der einzige Soldat, heute gibt es in dem Ausschuss vier Generaloffiziere: neben mir ein finnischer, ein französischer und ein italienischer.

Seit Sie in der Politik sind, hat sich die Welt verändert. Sie warnten lange vor einem Einmarsch Russlands in die Ukraine, auch in Ihrer eigenen Fraktion, der EVP. Wollten Ihre Kollegen, allen voran Fraktionschef Manfred Weber, die Realität nicht wahrhaben?

Terras

Keiner wollte das richtig wahrhaben. Dabei ist die Situation nicht erst 2022 entstanden. Seit Putin die Macht ergriff, hat er Tschetschenien angegriffen und Georgien, 2014 hat er die Ostukraine attackiert und die Krim annektiert. Das war alles kein Weckruf für Europa. Man kann einen Komapatienten nicht mit dem Wecker aufwecken. Erst Donald Trumps zweite Amtszeit hat uns erkennen lassen, dass wir etwas für unsere Sicherheit tun müssen. In manchen Ländern, und dazu zähle ich Österreich, ist das immer noch nicht angekommen.

Siobhán Geets

Siobhán Geets

ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort und seit 2025 stellvertretende Ressortleiterin. Schwerpunkt: Europa und USA.