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Rüstungsindustrie: Kann Trump Europas Waffen abdrehen?

Das Prestigeprojekt eines europäischen Kampfjets scheitert an nationalen Egoismen, und auch sonst bleibt Europa in der Rüstung abhängig von den USA. Das ist gefährlich für den Kontinent und seine Sicherheit.

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76.000 Mann, so viele US-Soldaten müssen in Europa stationiert sein – mindestens. Das sieht ein Ende 2025 vom Senat in Washington beschlossenes Gesetz vor, das den Truppenabzug begrenzt. Nötig wurde es, weil Donald Trump im vergangenen Sommer anklingen ließ, die Truppenstärke in Europa radikal zu kürzen. Europa müsse selbst für seine Sicherheit sorgen, heißt es auch in der neuen nationalen Sicherheitsstrategie des Weißen Hauses.

Wenn auf Amerika kein Verlass mehr ist, wer verteidigt Europa dann im Fall eines militärischen Angriffs?

In einer Studie der Denkfabrik „Center for Strategic & International Studies“ (CSIS) mit Sitz in Washington schlagen die Sicherheitsexperten Otto Svendsen und Max Bergmann eine europäische Kampftruppe von rund 100.000 Soldaten vor. Diese sollte permanent in Deutschland stationiert sein, gemeinsam den Ernstfall trainieren und die US-Truppen langfristig ersetzen. Ausrüstung und Waffen sollten standardisiert und in Europa hergestellt werden, so der Vorschlag der Sicherheitsexperten. 

„Die mangelnde Zusammenarbeit bei der Beschaffung verschwendet nicht nur Geld, sondern macht es den Europäern auch außerordentlich schwer, gemeinsam zu kämpfen“, heißt es in dem Bericht. Und eine Studie der Brüsseler Denkfabrik Bruegel kommt zu dem Schluss, dass eine europäische Rüstungskooperation nach dem Vorbild der gemeinsamen Beschaffung von Impfstoffen während der Coronapandemie die Ausgaben um die Hälfte reduzieren würde.

Die gemeinsame Beschaffung wäre noch am schnellsten umsetzbar. Doch echte strategische Autonomie zu erreichen, würde Jahrzehnte brauchen, sagt Oberst Markus Reisner vom Österreichischen Bundesheer. Voraussetzung sei die Bereitschaft der Staaten, ihre nationalen Egoismen und Befindlichkeiten hintanzustellen.

Doch das zeichnet sich nicht ab, wie der aktuelle Streit um das europäische „Kampfflugzeug der Zukunft“ zeigt.

Sabotage durch nationale Interessen

Es sollte das größte und teuerste Rüstungsprojekt in der Geschichte des Kontinents werden. Nicht bloß ein Kampfjet, sondern ein fliegendes Waffensystem der nächsten Generation, das im Verbund mit Drohnen aufsteigt und durch digitale Vernetzung eine gemeinsame Gefechtszone schafft. „Future Combat Air System“ (FCAS) heißt dieses von Deutschland und Frankreich im Jahr 2017 auf den Weg gebrachte Luftkampfsystem. Ab den 2040er-Jahren sollte es das Rückgrat der deutsch-französischen Luftverteidigung bilden und die Kampfjets vom Typ Eurofighter und Rafale ersetzen. Doch nun steht die Zusammenarbeit vor dem Aus.

Immer wieder wurde eine Entscheidung über das FCAS vertagt, und seit einigen Wochen mehren sich die Hinweise, dass das Projekt so, wie es ursprünglich geplant war, scheitert. Grund sind Streitereien über die jeweiligen Beteiligungen französischer und deutscher Firmen: Der französische Konzern Dassault beansprucht eine Führungsrolle bei der Umsetzung, dagegen wehrt sich Berlin, das auf eine höhere Beteiligung von Airbus Deutschland pocht. Einmal mehr sind es nationale Egoismen, die der Umsetzung gemeinsamer Ziele im Weg stehen.

Die USA können Systeme aus ihrer Produktion jederzeit abschalten.

Oberst Markus Reisner

Österreichisches Bundesheer

Siobhán Geets

Siobhán Geets

ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort und seit 2025 stellvertretende Ressortleiterin. Schwerpunkt: Europa und USA.