Fotocollage: Zwei Männer stehen vor einem Bild von Baschar Al Assad, die Person ganz links wird von einem Polizisten geführt.
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Folter-Prozess in Wien: Was im Assad-Keller von Rakka geschehen sein soll

Das erste Mal verfolgt Österreichs Justiz mutmaßliche Handlanger des syrischen Assad-Regimes. profil war dabei.

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Fast regungslos sitzt Khaled H. auf der Anklagebank. Seine Augen – umrahmt von einer roten Brille – bleiben starr nach vorne gerichtet. Doch als ihm am Wiener Straflandesgericht ein Foto vorgehalten wird, braust der sonst so kontrolliert wirkende Ex-Militär auf: „Das habe ich noch nie gesehen“, sagt der frühere Geheimdienst-General. Der Syrer redet schneller – fällt seinem Übersetzer ins Wort.

H. verlässt den Gerichtssaal.
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H. sitzt seit Dezember 2024 in U-Haft.

Das Foto zeigt ein schummriges Kellerabteil. In der Mitte des Raumes liegt ein kreuzförmiges Brett, geteilt durch ein Klappscharnier. Es ist ein berüchtigtes Foltergerät, mit dem sich die Beine des Opfers zum Kopf falten lassen und das enorme Schmerzen im unteren Rücken verursacht: In syrischen Geheimdienst-Kreisen wurde es der „fliegende Teppich“ genannt.

Ich habe nur im Nachhinein davon gehört.

H.

syrischer Ex-Geheimdienstler

„Ich habe nur im Nachhinein davon gehört“, sagt der ehemalige Brigade-General, der seit Dezember 2024 in Österreich in Untersuchungshaft sitzt.

Hinweis

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine ergänzte und aktualisierte Version eines profil-Berichts vom 2.6.2026 aus dem Landesgericht Wien. Ergänzt wurden Informationen aus den Verhandlungstagen am Dienstag und Mittwoch, sowie Hintergrundinformationen zu den mutmaßlichen Tätern und Opfern aus der Anklageschrift.

 

 

In Wien wird seit Montag zwei hochrangigen Vertretern des Repressionsapparates des damaligen syrischen Diktators Baschar Al Assad der Prozess gemacht – neben Khaled H. sitzt auch Mussab A. auf der Anklagebank, ein ehemaliger Kriminalpolizist in leitender Funktion. Es geht um Ereignisse zwischen 2011 und 2013 in der abgelegenen Provinzhauptstadt Rakka, als Proteste das System Assad in Frage stellten und sowohl Polizei als auch Geheimdienste mit immer härterer Gewalt reagierten.

H., der den sogenannten Allgemeinen Sicherheitsdienst in Rakka leitete, soll laut Anklage auch für Folter an Regimegegnern verantwortlich sein. Beide Angeklagten, die seit Jahren in Österreich leben, erklärten sich für nicht schuldig. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Raphael  Bossniak

Raphael Bossniak

ist seit Juli 2025 im Außenpolitik-Ressort. Davor freier Journalist für APA, Kurier und die deutsche Nahostfachzeitschrift zenith. Schwerpunkt Nahost / Kaukasus / Osteuropa.