FIFA World Cup Final Qatar 2022 - Fans in Buenos Aires watch Argentina v France
Unterhalt nicht bezahlt: Stadionverbot für Rabenväter
Der Schulschluss war für einige meiner Freundinnen hart. Denn da tauchten plötzlich die Väter ihrer Kinder auf, um den letzten Volksschultag zu feiern, bevor es ab ins Gymnasium geht. Strahlend standen sie da, obwohl sie sich sonst um genau gar nichts kümmern, sonst nie zu wichtigen Anlässen da sind – und (Überraschung!) auch den Unterhalt für das Kind nicht bezahlen.
Dennoch bekommt das eine Kind vom Super-Daddy eine Ferienreise nach Asien angepriesen. Sein Heldenstatus ist beim Sohn damit wieder zementiert. Der Kindsvater der anderen Freundin lebt im fernen Ausland, wo man ihn nur schlecht wegen Zahlungsunwilligkeit belangen kann. Einmal im Jahr kommt er zur Stippvisite (wenn es gut geht) – dieses Mal mietete er sich im teuersten Hotel Wiens ein, um den Sohnemann zu beeindrucken. Der ist natürlich begeistert, auch vom Dinner im Restaurant im obersten Stock mit Blick über Wien. Auch dafür gibt's offenbar Geld.
Leider ist derartiges Verhalten nicht nur anekdotisch evident. Laut Statistik Austria bekamen 2024 rund 40.000 Kinder vom Staat den Unterhalt vorgeschossen, der dann vom nicht zahlenden Elternteil zurückgefordert wird. Die Dunkelziffer jener Kinder, die gar keinen (oder nur sporadisch) Unterhalt bekommen, ist wohl deutlich höher – denn viele Mütter scheuen die gerichtliche Auseinandersetzung. Weil, weiß man's, lässt es sich doch so regeln? Oder, weiß man's, wird er doch noch vernünftig?
Stadionverbot in Argentinien
Leider habe ich keine anekdotische Evidenz anzubieten, die beweisen würde, dass die Vernunft am Ende dann doch siegt. Meiner bescheidenen Erfahrung nach braucht es fast immer etwas, das die Herren zur Vernunft bringt. Etwas, das wirklich weh tut, damit ein Umdenken einsetzt. Manchmal kann das ein Richter sein, manchmal reicht auch das nicht. Das ist kein österreichisches Phänomen.
Argentinien hat ein wachsendes Problem mit verarmten Alleinerzieherinnen. Sieben von zehn Männern zahlen dort die gerichtlich festgelegten Beträge nicht. Dafür hat man sich jetzt eine originelle wie schmerzhafte Lösung einfallen lassen. Säumige Unterhaltspflichtige dürfen die heißgeliebten Fußballstadien nicht mehr betreten - und das, obwohl der Sport in Argentinien ja praktisch zur Staatsreligion geworden ist. Doch wer kein Geld für sein eigenes Kind aufbringen kann, der hat ja wohl auch kein Geld für Bier und Fußball, findet die Politik und macht Ernst: In Buenos Aires werden also Ausweise kontrolliert und mit dem Register für Unterhaltsschuldner abgeglichen, das Teil des Programms „Tribuna Segura“ ist. Es soll für möglichst sichere Tribünen sorgen – auch Personen, die Gewalttaten verübt haben, sind dort gelistet.
Falls die Rabenväter geglaubt haben, dass sie dann halt zur WM fahren, um dort ihrer Leidenschaft zu frönen: Auch das können sie sich abschminken. Mit der Resolución 444/2026 stellte Argentinien den USA Daten über Personen mit bestehenden Stadion-Zutrittsbeschränkungen für die Sicherheitsplanung der FIFA-WM 2026 zur Verfügung. Die rund 13.000 registrierten Unterhaltssäumigen sind nur ein Teil der Liste – insgesamt wurden 30.000 Namen übermittelt.
Nun ist die Wirkung dieser Maßnahme unklar – und freilich sind nicht alle unterhaltssäumigen Väter unwillige Egoisten. Es gibt viele Gründe, manche können wirklich nicht zahlen. Aber wer es sich leisten kann, in die USA zu fliegen, um Lionel Messi zuzujubeln, der kann wohl wirklich nicht darauf beharren, kein Geld für sein Kind zu haben.
Öffentlicher Pranger und Führerscheinentzug
Der Staat Österreich ist 2024 mit 137,6 Mio. Euro für nicht zahlende Elternteile eingesprungen. Rund 88 Millionen davon wurden später eingetrieben – auf dem Rest blieb der Staat sitzen, auf Kosten aller. Wahrscheinlich wäre es in Österreich eine ungleich mildere Strafe, das ÖFB-Team nicht spielen zu sehen – aber der Denkansatz ist interessant. Ich hab ein wenig recherchiert, was sich andere Länder zu diesem Thema einfallen lassen haben: In manchen US-Bundesstaaten wird der Führerschein entzogen oder nicht verlängert, bis die Schulden beglichen sind. Das wurde auch in manchen deutschen Bundesländern schon diskutiert, bisher aber noch nicht durchgezogen. Dafür werden Männer im Nachbarland zu Zweitjobs verpflichtet, damit sie das Geld für ihre Kinder aufbringen können.
In den USA wird auch der Pass entzogen oder verweigert. In Großbritannien wurde neben Beugehaft auch eine Ausgangssperre diskutiert. In Australien gelten für säumige Väter Ausreiseverbote, wer das Land verlassen will, braucht einen Gerichtsbeschluss. In Korea setzt man auf öffentliche Beschämung: Dort werden die Namen von Unterhalts-Schuldnern in den Medien veröffentlicht. Mexiko verknüpft Unterhalt mit bürgerlichen Alltagshandlungen: Führerschein, Pass, Heirat, Immobiliengeschäft oder öffentliche Kandidatur können am „Nicht-Schuldner-Zertifikat“ hängen.
Viele Länder setzen also inzwischen auf Sanktionen, die nicht direkt mit dem Einkommen zu tun haben, sondern mit sozialem Status, Mobilität und Freizeit.
Ich denke jetzt die ganze Zeit darüber nach, was eine effiziente, österreichische Variante sein könnte, denn für die eigenen Kinder nicht zu bezahlen (wenn man könnte) ist wirklich das Allerletzte. Wie wäre es mit einem Verbot, Mitglied der freiwilligen Feuerwehr oder der Blasmusik zu sein? Bierzelt-Hausverbot? Gondelsperre im Winter (für den Westen Österreichs)? Parkpickerl-Verweigerung (für die Hauptstadt)? Haben Sie eine Idee? Schreiben Sie mir …