Walter Ruck mit seiner Frau P.
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Nach Recherchen über Ruck: Löschaktion bei der Wirtschaftskammer

Die Frau des Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck erhielt einen WKO-Sonderpreis – weil sie davor zwei andere WKO-Preise gewonnen hatte. Die Einträge wurden kürzlich von allen Kanälen gelöscht.

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Ducken, aussitzen, totstellen. So fasste die Tageszeitung „Presse“ die Reaktion der Wiener Wirtschaftskammer auf die profil-Recherchen zu ihrem mächtigen Präsidenten Walter Ruck zusammen.

profil hatte aufgezeigt, dass die beiden Söhne und die zweite Ehefrau von Ruck zuletzt eine steile Karriere in der Wirtschaftskammer, der ÖVP Wien und in der Sozialversicherung hingelegt haben. Fragen nach deren Eignung und dazu, ob Walter Ruck nachgeholfen hat, beantworteten weder die Kammer noch der ÖVP-Wirtschaftsbund, der dort das Sagen hat.

Auch wenn nach außen gemauert wird: In der Zentrale der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) sorgte der Fall für Betriebsamkeit. Die „Presse“-Headline müsste daher um ein Wort ergänzt werden: Ducken, aussitzen, totstellen und löschen.

Denn wenige Tage nachdem die profil-Recherche online gegangen war, verschwand ein Eintrag von der Website der WKO. Dort, wo heute ein 404-Fehler aufscheint, wurde Rucks Ehefrau P. als „Testimonial“ und als „Erfolgsgeschichte“ für Ein-Personen-Unternehmen angepriesen. Über die Wayback-Machine, ein Archiv von Internetwebseiten, lässt sich die ursprüngliche Seite noch aufrufen.

Dort ist von ihrem „innovativen Ansatz“ als „Lehrlingsexpertin“ zu lesen und davon, dass P. einen „Sonderpreis“ der WKO ergattert hat, weil sie „das beste Ein-Personenunternehmen in der Unternehmensberatung“ sei. 

Sonderbar: Den mit 2500 Euro dotierten Preis hat die WKO bisher nur ein einziges Mal verliehen: Im Jahr 2024, eben an Rucks Ehefrau. 

Heikle Preisfragen

Wer hat sich den Preis einfallen lassen, in welchen Gremium wurde über die Preisträgerin und das Preisgeld entschieden? Dazu antwortete die WKO auf profil-Anfrage nur vage: „Der Sonderpreis für das beste EPU wurde im Rahmen der EPU-Offensive seitens der Wirtschaftskammer verliehen. Dabei werden mehrere Service-, Kommunikations- und Branchenschwerpunkte gesetzt.“ Als Entscheidungsgrundlage für die Vergabe des Sonderpreises diente laut WKO ein weiterer Preis: Der Constantinus Award, der jährlich von der Wirtschaftskammer-Fachgruppe der Unternehmensberater vergeben wird. In der Jury sitzen 70 Leute. Beim Constantinus ging Rucks Frau P. im Jahr 2024 in zwei von sieben Kategorien als Siegerin hervor. Laut WKO „qualifizierte sie sich damit auch für den Sonderpreis der erwähnten Aktivitäten als beste EPU-Beraterin“.

Zusammengefasst: Weil Frau P. bereits zwei WKO-Trophäen errungen hatte, überreichte man ihr eine dritte. Der Sonderpreis war eine „einmalige“ Sache als „Teil einer Awareness-Kampagne, um die Sichtbarkeit von EPU zu erhöhen“. 

Bleibt die Frage: Warum wurde der Eintrag zum Sonderpreis für P. von der Webseite der WKO gelöscht und warum wurden auch die entsprechenden Postings auf LinkedIn und Facebook entfernt? 

Die WKO schreibt dazu auf profil-Anfrage, die Website inklusive Testimonials werde „laufend aktualisiert“.

Dazugesagt: Frau P. war bereits als Lehrlingsberaterin tätig, bevor sie Walter Ruck heiratete und kann genügend Erfahrung vorweisen. 

Den Preis bekam P. übrigens für ein Klima-Projekt mit Lehrlingen. Sie führte es für eine Genossenschaft durch. Ein Mitglied der Genossenschaft ist das Familienunternehmen der Rucks, einer der Söhne des Kammerpräsidenten sitzt im Vorstand.

Jakob Winter

Jakob Winter

ist Digitalchef und seit 2025 Mitglied der Chefredaktion bei profil. Gründete und leitet den Faktencheck faktiv.