Terror in Bondi Beach: Zwei Attentäter und ein Held
Rund tausend Menschen hatten sich am Sonntagabend in einem Park am Bondi Beach versammelt, um den Beginn des jüdischen Lichterfests Chanukka zu feiern. Es gab Süßigkeiten, Musik und Kinderprogramm. Dann, um etwa 18.40 Uhr, eröffneten zwei Männer das Feuer auf die Feiernden. Fünfzehn Menschen kamen dabei ums Leben, das jüngste Opfer ist ein zehnjähriges Mädchen. Mehr als 40 Personen wurden teils schwer verletzt. Unter den Toten ist auch einer der Angreifer.
Sajid Akram, 50, und sein Sohn Naveed, 24, stiegen aus dem Auto und eröffneten sofort das Feuer. Von einer Brücke aus schießen die beiden auf die Menschen im Park, dann geht einer von ihnen – mutmaßlich der Vater – in Richtung Park. Nach kurzer Zeit wird er von einem Passanten überwältigt. Es kommt zu einem Gerangel, dann entwendet der Passant dem Mann die Waffe und richtet sie auf ihn. Der Schütze geht Richtung Brücke davon und schießt von dort aus mit einer anderen Waffe weiter. Nach insgesamt rund sechs Minuten werden beide von der Polizei gestoppt. Der Vater Sajid Akram ist tot, der Sohn Naveed war mit Stand Montagabend am Leben, aber schwer verletzt. Er befindet sich in einem Krankenhaus.
Am Montag wurde bekannt, dass Sajid Akram sechs Waffen besaß – offenbar legal. Der Mann verfügte seit zehn Jahren über einen Waffenschein und war Mitglied in einem Schützenverein. In Sydney lebte er offenbar seit 1998; laut dem Nachrichtensender ABC kam er aus Pakistan nach Australien. Polizeibekannt dürfte er nicht gewesen sein. Anders sein Sohn Naveed. Ihn hatte der australische Inlandsgeheimdienst ASIO laut ABC schon 2019 im Visier, weil er in engem Kontakt zu einer Terrorzelle des „Islamischen Staats“ (IS) gestanden sein soll. Nach einem halben Jahr seien die Ermittlungen wieder eingestellt worden. Von Naveen Sajid gehe keine Gefahr aus, so die Einschätzung damals.
Laut ABC gehen Ermittler der Terrorbekämpfungsbehörde Joint Counter Terrorism Team (JCTT) mittlerweile davon aus, dass Sajid und Naveed Akram dem IS vor ihrer Tat die Treue geschworen hatten. In dem Auto, das sie am Tatort geparkt hatten, seien zwei IS-Flaggen gefunden worden.
Die beiden Attentäter hätten wohl noch mehr Menschen getötet, wenn nicht der mutige Passant dazwischen gegangen wäre. Ahmed al-Ahmed, 43, floh 2006 aus Syrien nach Australien. Der Vater zweier Töchter im Alter von fünf und sechs Jahren ist seit 2022 australischer Staatsbürger und betreibt einen Tabakladen in der Nähe von Bondi Beach. Für Sonntagabend war er mit seinem Cousin Jozay Alkanj zum Kaffeetrinken in Bondi verabredet. Doch dazu kam es nicht mehr.
Als die Attentäter das Feuer eröffnen, gehen Ahmed und sein Cousin auf dem Parkplatz in Deckung. Dann nähert sich Ahmed dem älteren der beiden, läuft von Auto zu Auto. „Er sagte: ,Ich werde sterben. Bitte sag meiner Familie, dass ich Menschenleben retten wollte“, erzählt Alkanj der Zeitung „The Sydney Morning Herald“. Kurz darauf hat Ahmed den Schützen entwaffnet. Auf einem Video ist zu sehen, wie sich der Attentäter entfernt und mit dem anderen von einer Brücke aus weiterschießt. Ahmed wird einige Male in den Oberkörper getroffen und geht zu Boden. Aktuell befindet er sich in einem Krankenhaus, sein Zustand ist stabil.
„Wenn es einen jüdischen Nobelpreis für die Rettung von Juden gäbe, hätte Ahmed al-Ahmed ihn gerade gewonnen“, titelt die „Jerusalem Post“ am Montag. Der Held von Bondi Beach solle in die Liste der „Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen werden, so die israelische Tageszeitung. Der Ehrentitel wurde nach Israels Staatsgründung 1948 eingeführt, um nichtjüdische Personen auszuzeichnen, die während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben einsetzten, um Juden zu retten.
Ahmeds Familie hofft indes auf eine gemeinsame Zukunft in Australien. Seine Eltern leben in Sydney, die australische Staatsbürgerschaft haben sie aber nicht. Für Ahmed war es ein langer Weg bis zur Einbürgerung. Er werde sich dafür einsetzen, dass Ahmeds Eltern die Staatsbürgerschaft erhalten, sagte Sam Issa, der Anwalt, der ihn während des langen Prozesses bis zur Staatsbürgerschaft beraten hatte. Immerhin sei dies eine angemessene Belohnung „für den Dienst ihres Sohnes an der Gemeinschaft, der Dutzende von Menschenleben gerettet hat“.