profil ambulant 23 06 2026
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Ein Viertel der Russen im Land oder mehr könnten für Nachrichtendienste arbeiten. Das sagte der Leiter des Abwehramts beim profil-Event „Wer spioniert uns aus“. Die Spione sind da – statistisch auch im Publikum.

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Wien –  die Hauptstadt der Spione. Ein Ruf, der der Bundeshauptstadt seit Jahrzehnten anhaftet. Doch es gibt jene Personen, die im Auftrag des Staates genau das ändern wollen. Sie trafen sich bei profil ambulant im Theater Akzent zur Diskussionsrunde „Wer spioniert uns aus“: Sylvia Mayer, Leiterin der Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) und Generalmajor Reinhard Ruckenstuhl, Leiter des Abwehramt, also des militärischen Nachrichtendienstes. Mit dabei auch profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer, die nicht nur selbst viel zu Spionage recherchiert, sondern der auch selbst nachgestellt wurde.

Innenpolitik-Redakteur Max Miller führte durch den Abend und sprach über Bedrohungen und die Rolle eines jeden Einzelnen.

Wenn Sie diesen Abend verpasst haben, oder noch einmal nachhören wollen, gibt es ab Freitag die Podcast-Aufnahme auf jedem Podcatcher Ihrer Wahl.

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Europa ist im Krieg, so startete Miller in den Abend. Russland macht nicht an den Grenzen der Ukraine Halt, Putin führt einen hybriden Krieg gegen Europa, Desinformation, Sabotage und Spionage sollen westliche Demokratien zermürben – auch Österreich.

Nicht nur Russland wird immer aggressiver. Technologie soll den chinesischen Weg zur Macht ebnen – und nicht immer werden die Informationen für diesen Vorsprung legal herbeigeschafft. 

Wer an die Macht will, ist selten zimperlich. Dafür braucht es Wissen über die Schwachstellen der Zielländer. Und diese wunden Punkte zu entdecken, ist oftmals die Aufgabe von Geheimdiensten.

Spioniert wird nicht nur im Zielland selbst. Standorte internationaler Vor allem die Standorte internationaler Organisationen machen Wien zu einem attraktiven Ort für Spioninnen und Spione.  

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Oft tarnen Nachrichtendienste ihre Agentinnen auch als Wissenschaftspersonal –  oder als Journalistinnen und Journalisten. Deshalb wollte Miller gleich zu Beginn von Ruckenstuhl wissen – hat er Thalhammer und ihn als Moderator überprüft? 

Nicht seine Aufgabe, meinte der Leiter des Abwehramts mit Augenzwinkern. Aber im Publikum, so DSN-Chefin Mayer, säßen sicher einige Personen, die nicht aus reinem Privatinteresse da wären.

Wie viele Spione es gibt? „Zu viele“

Spioninnen und Spione sind unter uns, das ist keine Paranoia, das ist ein Fakt. Wie viele davon im Land sind, wollten die beiden nicht beziffern. Nur soviel: „Es sind zu viele“, sagte Mayer.

Ruckenstuhl ließ sich dann doch eine Schätzung entlocken: 25 bis 30 Prozent aller legalen Residenten, also Personen mit Aufenthaltsrecht, könnten einen nachrichtendienstlichen Hintergrund haben – zumindest bei Ländern wie Russland, die besonders aktiv spionieren. Das sind aber nur die offiziell aufhältigen Personen, die Dunkelziffer sei viel höher.

Lange sei Wien ein beliebter Treffpunkt für Spione gewesen, meinte Anna Thalhammer, die dafür Österreich auch in Ruhe gelassen haben. Denn man macht nicht in das Nest, in dem sitzt. Das habe sich spätestens seit der BVT-Untersuchung verändert. „Das war für mich eine frühe russische Einflussnahme mit dem Ziel, das Amt zu zerstören“, machte es die Chefredakteurin deutlich.

Mayer stimmte zu, seitdem habe sich viel verbessert. Der Ott-Prozess habe auch einen Präzedenzfall geschaffen. Der ehemalige Staatsschützer war im Mai nicht rechtskräftig unter anderem wegen Spionage verurteilt worden. Wobei selbst das höchste Strafmaß immer noch nicht abschreckend genug sei, so die Leiterin der DSN. Aktuell liegt es bei fünf Jahren unbedingt.

Wie erkennt man einen Spion? Das sei gar nicht so einfach, schließlich muss man genug und vor allem die richtigen Hinweise sammeln, erklärte Ruckenstuhl. Aber: „Spione machen auch Fehler, und wenn man die erkennt, hat man schon einen guten Ansatzpunkt“

Der Generalmajor betonte die Rolle jeder und jedes Einzelnen. Es gelte, wachsam zu sein. Wichtig ist es außerdem, die Gefahr, angeworben zu werden, rechtzeitig zu erkennen: „Man unterschätzt seine eigene Rolle.“ 

Spione machen auch Fehler

Reinhard Ruckenstuhl

Leiter Abwehramt

Wie so eine Anwerbeversuch ausschauen könnte, erfuhr Miller am eigenen Leib. Nachdem er vor einigen Woche eine Podiumsdiskussion mit ehemaligen Spioninnen der DDR und der UdSSR besuchte, erhielt er einige Tage später eine Mail einer Ex-Spionin: Sie lud ihn dazu ein, gemeinsam Tee trinken zu gehen. Diese Einladung sollte er wohl lieber nicht annehmen, waren sich die Profis am Podium einig.

Eine Einladung, die Sie sehr wohl annehmen sollten, ist die zu unserem nächsten profil-Event. Am 29. September spricht profil-Redakteur Clemens Neuhold mit dem Podium über zum Thema „Kindergarten. Schule. Arbeitslos beim AMS?“ Auch hier wird es wieder musikalische Untermalung geben. Beim Spionage-Abend sorgte dafür Musikerin Oskar.

Maria Prchal

Maria Prchal

ist seit 2025 Redakteurin im Digitalteam. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Sozialpolitik, Klima und technische Themen.