Lisa Totzauer sitzt mit Stäbchen in der Hand und schwarzem Hemd an einem Tisch
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Mitte Juni hat Lisa Totzauer zum zweiten Mal für den Job der ORF-Chefin kandidiert. Sie galt als Kandidatin der Redaktion, bekam im Stiftungsrat aber trotzdem nur drei Stimmen. Zeit für ein paar scharfe Gänge.

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Lisa Totzauer kommt pünktlich auf die Minute, setzt sich, schnauft durch, und bevor sie noch einen Blick in die Karte riskiert, bestellt sie ein Glas Asia Cuvée (weiß), und das ist der Moment, in dem ich mir sicher bin, dass dieser Termin spannend wird. Ein Bekannter hatte sie im Vorfeld als „Work hard, party hard“-Typ beschrieben, jetzt ahne ich, was er damit meint, und nicht nur, weil Totzauer mit dem Fahrrad unterwegs ist, bergauf, bei 37 Grad und unter einem Helm.

Das „Modern Korean“ in der Lustkandlgasse in Wien-Alsergrund: Es ist eines von Totzauers Lieblingslokalen, obwohl sie gar nicht in der Nähe wohnt. Der Ort ist so etwas wie der heilige Boden der koreanischen Küche in Wien: Hier hat Anfang der 2000er-Jahre Sohyi Kim ihr erstes Lokal betrieben, das legendäre „Kim kocht“. Legionen von Wienern haben hier gelernt, dass koreanische Küche kein Sushi kennt und mehr kann als kleingeschnittene Rinderfilets verbrennen, um sie anschließend in Sojasauce zu ertränken. Kim kocht hier zwar schon länger nicht mehr, aber auch unter dem neuen Betreiber ist der Laden sehr erfolgreich. Mittlerweile gibt es ein Haus weiter eine Pop-up-Kitchen, die zwei Lokale sind durch einen Gastgarten verbunden. Dazwischen liegt übrigens das „Incognito“, früher eine der bekanntesten Bars der Stadt. Falco soll hier häufiger verkehrt haben, und weil Falco eine gewisse Art von Treibstoff benötigt hat, auch die Polizei. Aber das hat sich geändert, wie so vieles andere auch.

Und manches eben nicht.

Ich rede Klartext und mache auch, was ich sage. Es kann schon sein, dass das manche als Bedrohung empfinden.

Lisa Totzauer

ORF-Magazinchefin

Wir treffen uns ein paar Tage, nachdem der ORF-Stiftungsrat einen neuen ORF-Chef bestellt hat. Genauso wie vor fünf Jahren hatte sich Totzauer, Chefin der ORF-Magazinsendungen, um den Job beworben, gegen Clemens Pig hatte sie aber keine Chance. Nur drei der 35 Stiftungsräte stimmten für Totzauer, eine Grüne und zwei der SPÖ nahestehende. Vor fünf Jahren kamen ihre Wähler von FPÖ und Neos. Wenn man so will, dann hatte Totzauer also die größtmögliche Koalition der ORF-Geschichte hinter sich vereint, eine Regenbogenkoalition wie seinerzeit Alexander Wrabetz. Dummerweise hat sie dafür zwei Wahlen gebraucht und eben nie auch nur eine einzige ÖVP-Stimme bekommen: Und das, obwohl sie ihre ORF-Karriere lang auf einem Ticket der niederösterreichischen ÖVP gesegelt ist.

Markus  Huber

Markus Huber

ist im Hauptberuf Herausgeber des Magazins „Fleisch“ und schreibt für profil alle zwei Wochen die Kolumne „Powerlunch“.