Wie ein Startup von Ex-Kanzler Kurz mit Schlössern Geld machen will
Ein prächtiges Loire-Schloss um 22 Millionen Euro? Eine hübsche Festung aus dem 12. Jahrhundert in der Toskana um 6,75 Millionen? Oder doch lieber ein herrschaftliches Anwesen unweit von Wien, erbaut 1895 für den Vater des letzten Habsburger-Kaisers – Kaufpreis auf Anfrage? Ex-ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz ist bekanntlich auf vielfältige Weise in der Privatwirtschaft angekommen. Nun ist er auch Teil einer Wohnraumoffensive der ganz besonderen Art.
Kurz ist im November des Vorjahres bei einer – knapp zuvor gegründeten – Firma namens „Aquileia Partners GmbH“ eingestiegen. Diese bietet Investment- und Beratungsleistungen an. Kurz hält persönliche 15 Prozent an dem Unternehmen, weitere 20 Prozent entfallen auf die „AS2K Beteiligungs GmbH“, an der Kurz über seine „SK Management GmbH“ 50 Prozent hält. Die andere Hälfte an der „AS2K“ gehört dem höchst vermögenden Investor Alexander Schütz, der selbst auch noch direkt 30 Prozent an „Aquileia“ hält. Kurz und Schütz werden auf der Internetseite des Beratungsunternehmens jeweils als „Investor & Strategic Partner“ präsentiert.
Schlösser-Sammler
Wie profil herausgefunden hat, ist „Aquileia“ in den Monaten seit der Unternehmensgründung nicht untätig geblieben. Die Firma steht hinter einer Internet-Plattform namens „Castle Collector“. Der Name ist Programm: Die Website präsentiert sich als Online-Marktplatz, der Verkäufer und Kaufinteressenten von Schlössern, Herrenhäusern, Palästen und historischen Anwesen („castles, manor houses, palaces and heritage estates“) in Europa, Großbritannien und den USA zusammenbringen will. Kauf-Transaktionen sollen nicht über die Plattform laufen. Es geht offenbar darum, im Vorfeld den Kontakt herzustellen.
Derzeit finden sich auf der Website 342 zum Verkauf stehende Liegenschaften – drei davon in Österreich. Man kann schon deutlich unter einer Million Euro einsteigen, lässt „Castle Collector“ potenzielle Interessenten wissen: Der Preis für ein Schloss sei oft viel niedriger, als man erwarten würde. Ein Blick auf die Plattform zeigt: Wer sich zum Beispiel ein historisches Anwesen in der Nähe von Melk aus dem Jahr 1773 leisten möchte, ist bereits mit 780.000 Euro dabei. Allerdings: Man sollte sich im Klaren sein, dass man um dieses Geld wohl einen Bastlerhit („sanierungsbedürftige Liegenschaft“) erwirbt.
„How to Make Money from a Castle“
Schlossherr werden ist mitunter weniger schwierig, als Schlossher sein. Auf der Website finden sich praktische Anleitungen: Wie findet man Personal („How to Find Castle Staff“)? Wie lebt es sich in einem Schloss („How to Live in a Castle: Heating, Costs, and the Realities of Daily Life“)? Und natürlich ein besonders wichtiger Punkt: Wie kann man mit einem Schloss Geld verdienen („Castle Wedding Venue: How to Make Money from a Castle“)?
Eine weitere Frage ist natürlich auch, wie man mit einer Plattform wie „Castle Collector”, die – eigenen Angaben zufolge – keine Transaktionsgebühren verlangt, Geld verdienen will. Man befinde sich noch in der Startup-Phase und der Marktplatz sei aktuell „noch nicht monetarisiert“, sagt „Aquileia“-Geschäftsführer Jakob Schwann auf profil-Anfrage. Man möchte keine Konkurrenz zu Maklern darstellen, sondern sich international zu dem einen Anlaufplatz für Käufer und Verkäufer in diesem Bereich entwickeln. So etwas gebe es bisher nicht. In Zukunft könnte man die Plattform über Inseratenkosten, Werbepartner und Zusatzangebote für die entsprechende Zielgruppe monetarisieren.
Seit drei Monaten online
„Castle Collector“ sei seit drei Monaten online, erklärt Schwann. Aktuell kämen rund 600 User pro Tag auf die Website. Es habe auch schon konkrete Kontaktherstellungen gegeben. Potenzielle Käufer würden vorwiegend aus den USA und aus England stammen. Dort sei man besonders an Schlössern in Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich interessiert.
Hinter der ausgefallenen Startup-Idee dürfte wohl nicht zuletzt Alexander Schütz stehen, der als großer Schloss-Enthusiast gilt. Sebastian Kurz wiederum scheint im Firmenbuch nach wie vor mit Adresse in Wien Meidling auf, er dürfte also noch nicht unter die Schlossbewohner gegangen sein. Zwar werden dem Ex-Kanzler Ambitionen auf das Amt des Bundespräsidenten nachgesagt. Noch hat „Castle Collector“ die Wiener Hofburg allerdings nicht im Angebot.