Ein Mann mit Brille und verschränkten Armen, es ist der ORF-Manager Pius Strobl,  steht an einem Treppengeländer.
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Der nächste Top-Manager muss vom Küniglberg herabsteigen: Pius Strobl freigestellt. Er soll vielfältig gegen die Compliance verstoßen haben - aufgedeckt hat profil. Unter anderem, weil er im Dauerkrankenstand für andere Unternehmen gearbeitet haben soll.

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Pius Strobl ist der beste Mann am ORF-Küniglberg. Oder der mächtigste. Zumindest möchte man das glauben, wenn man das Gehaltsranking des Öffentlich-Rechtlichen ansieht. Das führte Strobl mit Abstand an und verdient etwa mehr als zuletzt ORF-Generaldirektor Roland Weißmann. Warum? Da müssen Sie Weißmanns Vorgänger Alexander Wrabetz fragen. Der hat ihm den Vertrag gegeben – und auch einen, über eine Millionenpension. Warum? Das ist Gegenstand von Untersuchungen der Staatsanwaltschaft. Und Ingrid Thurnher hat Pius Strobl nach profil-Informationen am Montag dienstfreigestellt. Soweit wir wissen: Nicht deshalb. Es gibt andere Vorwürfe – und es geht um Compliance. 

Derzeit will man am Küniglberg dazu keine Fragen beantworten – um 14 Uhr tagt der Finanzausschuss des Stiftungsrates, dort soll berichtet werden. Strobl selbst beantwortete einen Anruf von profil nicht. Genaueres weiß man also noch nicht, er hätte aber viele Themen: Etwa, dass er seit Jahren beim ORF arbeitet, und mit ihm mit seinen Firmen Geld verdient. Oder: Dass er während Krankenständen anderen Unternehmen seine Dienste als Berater angeboten hat. Etwa rund um den Songcontest. 

profil berichtete auch noch über eine andere Rechnung: Dies geht aus einer profil vorliegenden Rechnung der p+s consulting, datiert mit 18. Dezember 2025, hervor, in der Strobl der Sakoyah Beteiligungsverwaltungs-GmbH 2400 Euro für „Beratungsleistungen in den Themenbereichen Events, Marketingkonzeption, Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Strategie, Umsetzungen“ verrechnet. Als Leistungszeitraum ist „Dezember 2025“ vermerkt. Die Sakoyah ist Betreiberin des Pferdesportparks Magna Racino im niederösterreichischen Ebreichsdorf, den einst der Industrielle und Kurzzeitpolitiker Frank Stronach errichten ließ. Seit 2025 steht die Anlage im Eigentum des irischen Immo-Investors Luke Comer und soll in Zukunft als „Comer City“ dienen –  eine Location für Events aller Art.

Da stellt sich noch eine Frage: Hat Pius Strobl für derartige Dinge eine Nebenbeschäftigungsgenehmigung? Und wenn ja: Wer hat sie ihm erteilt?

Strobl ist seit vielen Monaten offiziell im Krankenstand - aber doch äußerst umtriebig. Vorangegangen war der Dauerabwesenheit übrigens auch ein Streit mit Roland Weißmann, der ihn gebeten hat, seine Urlaubstage bis zur anstehenden Pension zu konsumieren. 

Wer ist er?

In der Causa Weißmann ist Strobl weniger Nebenfigur als Symbolfigur für jene informellen Machtstrukturen, die den ORF seit Jahren prägen. Der langjährige Vertraute des früheren Generaldirektors Alexander Wrabetz galt im Haus als Mann fürs Grobe, als einer, dessen Einfluss größer war, als es ein Organigramm je abbilden könnte. Strobl musste den ORF 2010 verlassen, kehrte später aber über Beratungsaufträge und schließlich wieder als Angestellter zurück – mit beträchtlichem Einfluss, hohem Gehalt und einer freiwilligen Zusatzpension, deren Rechtmäßigkeit Roland Weißmann als Generaldirektor infrage stellte. Damit hatte Strobl, vorsichtig formuliert, ein handfestes Motiv, Weißmann nicht wohlgesonnen zu sein.

In der Weißmann-Affäre taucht Strobl deshalb an einer besonders heiklen Stelle auf: Die ORF-Mitarbeiterin, die Weißmann sexuelle Belästigung vorwirft, arbeitet in Strobls Bereich; Weißmanns Seite vermutet, Strobl habe im Hintergrund eine Rolle gespielt. Strobl weist das zurück und spricht allenfalls von Unterstützung, wenn jemand Hilfe brauche. Bewiesen ist eine Intrige damit nicht. Aber liegt nicht ganz fern.

Interessanter Zufall: Strobl wurde stets eine Nahebeziehung zu jener Frau nachgesagt, die Weißmann Vorwürfe der sexuellen Belästigung gemacht hat. Beide dementierten das stets - aber es verbindet sie vieles. Ein gemeinsamer Anwalt zum Beispiel. Dass man ihr Handy gepeilt und am Wohnsitz von Pius Strobl einkassiert hat etwa. Und, besonders lustig: Aufgehalten wurde sie nach profil-Informationen dabei in einem Auto der Firma Sakoyah Beteiligungsverwaltungs-GmbH - jenem Unternehmen, dem Strobl für seine Dienste während seines Krankenstandes Rechnungen stellt.

Thurnher macht jedenfalls ernst: Nachdem sie Weißmann gekündigt hat, Enterprise-Chef Oliver Böhm nach Compliance-Vorwürfen freigestellt hat - folgte nun Pius Strobl. Die mächtigen Männer-Netzwerke fallen ob dieses Verhaltens fast in Ohnmacht.

Anna Thalhammer

Anna Thalhammer

ist seit März 2023 Chefredakteurin des profil und seit 2025 auch Herausgeberin des Magazins. Davor war sie Chefreporterin bei der Tageszeitung „Die Presse“.