Aus der Verhandlungsschrift vom 6. Juli geht hervor, welche konkreten Ängste hinter dem vereinbarten Stillschweigen stehen. Am Landesverwaltungsgericht Salzburg erklärte Solveig Eckert, Sprecherin des Salzburger Festspielfonds: Die Einigung sei „von den stimmberechtigten Kuratoriumsmitgliedern mit Herrn Hinterhäuser bzw. dessen Rechtsvertreter getroffen“ – und darüber Stillschweigen vereinbart worden. „Selbst das Direktorium der Salzburger Festspiele kennt diese genaue Vereinbarung nicht. (…) Aus Sicht des Festspielfonds würde eine Veröffentlichung der Kosten im Hinblick auf die bereits stattgefundene mediale Berichterstattung zu weiteren Irritationen, vor allem auch mit Sponsoren der Salzburger Festspiele führen“, die den Festspielen „wirtschaftlichen Schaden“ zufügen könnten.
Das lässt tief blicken, denn es zeigt die Aversion des Kuratoriums gegen mediale Recherchen und seine Furcht vor verstimmten Financiers. Offenbar muss um alles in der Welt verhindert werden, dass ans Licht kommt, was jedenfalls im Dunkeln bleiben sollte.
Doch die Allianz derer, die genauer wissen will, was sich bei den Festspielen hinter den Kulissen ereignet hat, ist längst dabei, sich zu bilden. Am Rücken des Hartberger-Buchs wird die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zitiert: Die Bemühungen des Autors seien „absolut großartig und sehr genau. Wie ein Koch, der mit der Pinzette dem Fisch die Gräten herauszieht.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ sieht in Hartbergers Kampf gegen die Intransparenz die „durchaus zwingende Darstellung einer Intrige aus verletzter Eitelkeit“.
Und sogar Karin Bergmann, die den Festspielen nun bis Herbst 2027 interimistisch als Intendantin dient, streut Hinterhäuser in derselben Zeitung Rosen: Ihm stünden „Ovationen und Wertschätzung“ dafür zu, was er in zehn Jahren als Intendant geleistet habe. In allen Programmheften werde er als derjenige genannt, der künstlerisch und konzeptuell verantwortlich sei für diesen Festspielsommer. „Wir versuchen alles, um klarzumachen, dass er hier Großartiges geleistet hat.“
Untragbarer Führungsstil?
Die Frage sei – angesichts der nicht einmal von seiner Nachfolgerin bestrittenen Verdienste Hinterhäusers – daher pro forma noch einmal gestellt: Warum wollte das Kuratorium der Festspiele, unter Vorsitz der Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, einen künstlerisch und ökonomisch derart erfolgreichen Festspielchef unbedingt loswerden?
Die Rede von der „Wohlverhaltensklausel“, gegen die Hinterhäuser verstoßen habe, insinuiert, dass der Intendant cholerisches Verhalten an den Tag gelegt habe, dass sein Führungsstil untragbar gewesen sei. Hartberger hat sich deshalb auch beim Betriebsrat der Festspiele erkundigt und fand heraus, dass in den vergangenen beiden Jahren dort „ganze zwei Beschwerden“ über Hinterhäusers Verhalten eingegangen seien, „und auch die seien offenbar so wenig gravierend gewesen“, dass der Intendant von beiden Fällen „nicht einmal informiert worden sei und erst nach seiner Beurlaubung und auf seine eigene, ausdrückliche Nachfrage hin überhaupt von ihnen erfahren habe“.
Zwei Beschwerden, das sei nicht schön, notiert Hartberger, „aber bei 250 ständig beschäftigten MitarbeiterInnen über das Jahr und 5.000 während der Sommermonate ist das jetzt auch nichts, was auf eine schlechte Stimmung im Unternehmen hindeutet“.
Es wäre absurd, so zu tun, als hätte Markus Hinterhäuser, vor allem zwischenmenschlich, alles richtig gemacht; er entließ Marina Davydova als Schauspielchefin unter schlechtem Vorwand, und mit seiner kurzfristigen Absetzung der „Jedermann“-Produktion Michael Sturmingers stieß er viele ihm ehemals Zugeneigte vor den Kopf. Hinterhäusers oft übernervöse und bisweilen auch selbstgerechte Reaktionen auf abweichende Meinungen haben ihn nicht für die Shortlist der beliebtesten Führungspersönlichkeiten im Kulturbetrieb qualifiziert, aber man hatte bei ihm doch stets den Eindruck, da spreche einer ohne Visier, fast ungeschützt, immerhin authentisch, emotional und immer in der Lage, sich für überschießenden Dogmatismus anschließend auch wieder zu entschuldigen. Bis heute hat sich keine Person aus dem weitreichenden Festspiele-Team gefunden, die mit ihrem Namen bestätigen würde, in Markus Hinterhäuser einen untragbaren Arbeitgeber wahrgenommen zu haben.
Der Kulturverein Tres Mundos ist, um Hartbergers Buch auch in gedruckter Form erscheinen zu lassen, als Verleger eingesprungen, klassische Verlage mussten angesichts von lediglich sechs Wochen Vorlaufzeit abwinken. Die Publikation sollte im Salzburger Buchhandel bereits erhältlich sein, sagt Hartberger, die allgemeine Auslieferung werde wahrscheinlich etwas länger dauern. Auch im Shop der Festspiele sähe er sein Werk übrigens gerne; die Einwilligung der Festspiele-Präsidentin Kristina Hammer stehe allerdings noch aus, teilte er auf profil-Anfrage am vergangenen Dienstag mit.
Einen Tag später meldete sich Hartberger, ehrlich beeindruckt, mit der Nachricht, Hammer habe „ohne Zögern zugesagt“: Das verdiene Respekt.