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Schluss mit kindisch! Childish Gambinos neues (und leider letztes) Album

Das US-Talentbündel Donald Glover lässt sein Musiker-Alias Childish Gambino mit einem finalen Album hinter sich – und überzeugt dabei mit Ideenvielfalt.

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Wie man sein künstlerisches Alter Ego besser nicht in den Ruhestand entlassen sollte? Wie Eminem etwa, der sein inneres Enfant terrible Slim Shady unlängst nur mit XL-Cringe-Faktor abzuschütteln verstand. Auch Kollege Donald Glover hat mit 40 genug von der Infantilität – sein Musiker-Alias Childish Gambino wird mit dem Album „Bando Stone And The New World“ auf eine letzte Runde geschickt.

Die Gefahr, dabei in eine Art Niveau-Abwärtsspirale zu geraten, ist indes gering. Zu reflektiert wirkte der Universalist bislang auf seinen multidisziplinären Erkundungstouren als Musiker, Schauspieler und Filmemacher. So verdichtete sein Serienmeisterwerk „Atlanta“ ab 2016 die Black Experience zur schicksalhaften Horrorkomödie mit surrealem Einschlag, das zornige „This Is America“ wurde durch sein radikales Video zu einem der Polit-Songs der 2010er-Jahre. Dass Donald Glover sich selbst ebenfalls sehr gut findet, bewies er im „Interview Magazine“ 2021, als er sich im Gespräch gleich selbst die Fragen stellte.

So ist Understatement auch nicht die Qualität, die man mit Gambinos Schwanengesang assoziieren würde: Die neue LP, die auch als Soundtrack für einen SciFi-Film fungieren soll, strotzt vor „großen, hymnischen Songs“ (Glover), mit denen man die finale Stadiontour angemessen bestreiten könne. Schon die Vorab-Singles – der griffige Indie-Rock-Kracher „Lithonia“ und der luftige R’n’B-Schmeichler „In the Night“ – lösten dieses Versprechen in Form potenter Ohrwürmer ein.

Doch auch der Löwenanteil der restlichen 15 Tracks dieser eklektischen Songsammlung ist mit Widerhakenmomenten gesegnet: Das atemlose „Got to Be“ lässt den Putz von den Clubwänden bröckeln, „Running Around“ wirft ohne Ironie die Fun-Punk-Maschine an, „Yoshinoya“ ist Battle-Rap von jener Sorte, die auch Kendrick Lamar gerne und gut serviert. Die Stimme des Renaissance-Mannes Donald Glover wird man im Pop-Betrieb schmerzlich vermissen – und im Film- und TV-Business wohl nun noch mehr zu schätzen wissen müssen.