Immerzu sagen wir ihnen, was sie versäumen. Vielleicht sollten wir einmal von ihren Pflichten reden.

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Warum gehen Väter nicht in Karenz?

Vielleicht, weil es sie nicht freut?

Ja, das ist ein unorthodoxer Gedanke. Bisher gehen wir davon aus, dass sie wollen, aber nicht können. Weil sie mehr verdienen als die Mutter (die Armen) und für das höhere Familieneinkommen im Job bleiben statt beim Babylein. Weil ihr böser Chef nicht will, dass sie in Karenz gehen. Weil ihre Karriere extrem gefährdet wäre, wenn sie in Karenz gingen. (Glückliche Mütter, bei denen keine Karriere auf dem Spiel steht!) Alle diese Gründe wollen natürlich ernst genommen werden. Aber trotzdem, was ist, wenn sie einfach keinen Bock haben?

Unermüdlich liegen wir ihnen in den Ohren, was sie nicht alles versäumen, wenn sie weiterhin dem Arbeitsplatz zustreben, statt mit dem geliebten Kind eine innige Zeit zu verbringen. Die ersten Schritte. Das erste „Mama“, äh, „Papa“. Die von kleinen Kinderhändchen gebackenen Sandtörtchen.

Vielleicht hören sie uns aber gar nicht richtig zu, sondern denken stattdessen, wie fad das sein wird, wenn sie auf dem Spielplatz sitzen und das Sandtörtchenbacken beobachten oder mit Eselsgeduld die kleinen, tapsigen Kinderschritte begleiten sollen, eine gefühlte Ewigkeit lang.

Sie hätten nicht unrecht. Das stundenlange, ausschließliche Zusammensein mit sehr kleinen Kindern stellt keine prickelnde intellektuelle Herausforderung dar. Es kann streckenweise ziemlich langweilig sein. Ungeduldig machen. Isolieren. Dazu kommt, dass die Versorgung von (Klein-)Kindern eine Menge öder Hausarbeit mit sich bringt. Kindgerechte Mahlzeiten zubereiten. Schon wieder Kinderkleidung waschen, auf die das Kind eine kindgerechte Mahlzeit gespuckt hat. Schon wieder ein Bett überziehen, in welches das Kind gepinkelt oder gekotzt hat. Staubsaugen. Spielzeug wegräumen. Küche aufräumen. Nassräume putzen. Und so weiter.

Wer hätte da nicht von Zeit zu Zeit die Nase voll? Männer antizipieren diesen Überdruss offenbar. Sie kratzen die Kurve, ehe er zum Ausbruch kommen kann. Jedenfalls sieht es so aus.

Frauen versuchen meist, sich den Überdruss schönzureden. Weil sonst … Richtig: Rabenmutter.

Allerdings scheint es nicht zu gelingen, dass sie ihn auch den Vätern schönreden. Das ist keine Unterstellung, das zeigt die Statistik. 18,8 Prozent der Väter in Österreich nehmen zwei Karenzmonate (am liebsten – laut Momentum-Institut – in der Badesaison), ein armseliges Prozent bleibt länger als sechs Monate beim Kind. Deswegen in regelmäßigen Abständen medialer Alarm und das immer gleiche tiefsinnige Analysieren (siehe oben), gefolgt vom Schluss, es gelte, den Vätern die Karenz schmackhaft zu machen. So beglückend. So befriedigend. So eine tiefe Freude.

Aber, ehrlich: Beglückende Momente mit dem geliebten Kind kann man auch erleben und genießen, wenn man es nicht ganztags solo versorgen muss. Vielleicht genießt man sie sogar mehr, wenn man mit dem Baby kuschelt, ohne an den Schmutzwäscheberg denken zu müssen, der darauf wartet, abgetragen zu werden. Ja, eine vielleicht ketzerische Vermutung, aber nicht so weit hergeholt, wenn man an die Mütter der höheren Stände denkt, die schon seinerzeit den freudvollen Umgang mit dem Nachwuchs geschickt vom langweiligen Teil der Versorgungsarbeit zu trennen wussten, indem sie die Kinder über weite Strecken des Tages an Personal delegierten.

Ziehen wir also in Betracht, dass es Väter einfach nicht freut, in Karenz zu gehen. Warum freut es sie aber in Österreich so besonders wenig (wir sind das Schlusslicht im Europavergleich)? Vielleicht, weil ihnen das gesellschaftliche Klima entgegenkommt? Keine Kritik, keine Ächtung, stattdessen wohlwollendes Verständnis, wie es ihnen in Skandinavien ganz und gar nicht entgegenschlagen würde, wenn sie sich um die Karenz drückten.

Vielleicht sollten wir aufhören, ihnen die Zeit mit dem Baby als paradiesisch zu verkaufen. Es gibt keinen Anspruch auf Paradies pur, aber es gibt Pflichten. Elternglück kriegt man nicht ohne das Durchstehen von Durststrecken. Deswegen, Väter, holt tief Luft, und ab zu den Sandkisten! Nehmt, verdammt noch einmal, eure Pflichten wahr, statt euch umwerben zu lassen, als wär’s eine Gnade, wenn ihr eine Zeit lang neben einer nickenden Entenwippe auf dem Spielplatz sitzt oder dem Kleinkind beim Bestaunen von Ameisen und Marienkäfern Gesellschaft leistet.

Elfriede   Hammerl

Elfriede Hammerl