Jugendbanden: Wien und seine kriminellen Kinder
21 Überfälle auf Apotheken in mehreren Wiener Bezirken alleine seit Mitte März. Verübt durch eine 60- bis 70-köpfige Jugendbande. Das ist der aktuelle Höhepunkt einer schon länger laufenden Welle der Jugendkriminalität, die längst über die klassischen Zuwandererbezirke hinausgeht.
Zuletzt häuften sich die Berichte aus Nobelbezirken wie Währing und Döbling über Teenie-Täter, die andere Jugendliche in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Parks um ihre Handys oder Marken-Klamotten erleichtern. Und das am helllichten Tag. Rund 600 Anzeigen und 60 Festnahmen gab es seit vergangenem Jahr bei Schwerpunktaktionen der Polizei gegen die Jugendkriminalität.
Wenn die Stadt die Obsorge über Kriminelle hat
Doch viele Täter sind unter 14 Jahre alt und damit strafunmündig. Sie gehen sofort wieder frei. Dann wären eigentlich die Eltern an der Reihe, sie von der schiefen Bahn zu holen. Doch die Kinder und Jugendlichen haben oft einen Fluchthintergrund, etwa aus Syrien, und leben nicht selten in der Obhut der Stadt. Weil sie den Eltern vom Jugendamt abgenommen wurden oder alleine nach Österreich kamen.
In diesen kleinteiligen Wohngemeinschaften, die auf die ganze Stadt verteilt sind, können sie kommen und gehen. Deswegen forderte die bekannte Jugendrichterin Beate Matschnig schon im Jahr 2013 betreute Wohngemeinschaften mit temporärem Hausarrest für extrem schwere Fälle. Und damals war das Problem weit weniger akut.
Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) ging vor zwei Wochen in die Offensive und forderte „geschlossene Wohngemeinschaften“, damit die Kinder resozialisiert werden können, anstatt auf die nächste Beutetour zu gehen.
Ein Zusammenhang mit dem Wahlkampf ist nicht auszuschließen.
Wie vorgezeichnet ist ihr Leben?
Dafür müsste die Bundesregierung das Heimgesetz ändern. Die Zeit drängt. Denn wie es ein Polizist ausdrückt: „Bei uns im Bezirk haben wir es wieder in den Griff bekommen. Aber wenn diese Kinder so ins Leben starten: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie später eine Ausbildung abschließen und eine stabile Partnerschaft eingehen? Und wie hoch, dass sie als Erwachsene erst so richtig kriminell werden?“
Ein anderer Polizist erzählt resigniert, wie er Unmündige wieder frei lassen musste, die teils am selben Tag wieder zuschlugen. Einer seiner Pappenheimer habe aber versprochen: „Ich hör eh bald auf. Weil ich dann 14 bin und ins Gefängnis muss.“
Nicht alle werden so „frühreif“ sein.