Trump, Kristi Noem, das gefährlichste Gefängnis und eine goldene Rolex
Was trägt die Frau von Geld, wenn sie in der Funktion der Ministerin für Heimatschutz Massenhäftlingshaltung inklusive abgeschobener Asylanten in El Salvador inspiziert? Neben einem eng anliegenden T-Shirt und einer frechen Baseballmütze wählte Kristi Noem, im Trump Kabinett II für Terrorbekämpfung zuständig, eine goldene Rolex Cosmograph Daytona, Verkehrswert laut „New York Times“ 50 000 Dollar, die neben einem fetten Mehrkaräter am linken Ringfinger, weniger unter den wie Tiere eingepferchten Gefangenen, als auf den sozialen Medien für Aufregung sorgte.
Natürliche Dummheit übertrumpft offensichtlich noch immer künstliche Intelligenz. Erinnerungen an Melania Trump werden wach, die 2018 von ähnlicher, also eigentlich noch ärgerer Geschmacks-Verwirrung heimgesucht worden war, als sie in einen Parka aus dem Hause Zara mit der Rückenaufschrift „I Don’t Care, Do U?“ an der texanisch-mexikanischen Grenze Flüchtlingskinder besuchte, die von ihren Eltern getrennt worden waren. Vergleichsweise mit solchen Entgleisungen scheint das vermeintliche Luxus-Luder Marie Antoinette, deren kolportierter Sager „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen“ übrigens ein Fantasieprodukt revolutionärer Karikaturisten gewesen ist, nahezu mit sozialer Empathie gesegnet gewesen zu sein.
Was für ein gespenstisches Bild, als Noem, die ehemalige Rinderzüchterin, Jagdgästehausmanagerin und frühere Gouverneurin von South Dakota vor den Gittern von CECOT, dem brutalsten Gefängnis Lateinamerikas, sich für X (vormals Twitter) abfilmen ließ, um potenziellen Terroristen zu signalisieren, dass „wir alle, die unserem Land Schaden zufügen wollen, jagen und hier deponieren werden. Dieses Gefängnis werden wir bei unserer Jagd benutzen und vielen Dank an El Salvador und seinen Präsidenten für die Präsidenten für die gute Zusammenarbeit.“
Die Häftlinge, die im Hintergrund als stumme Statisten des Schreckens für diese Maßnahmen dienten, waren kahl geschoren und halb nackt. Ende März hatte das mit 15000 Insassen gefüllte „Centro de Confiniamento del Terrorismo“ (Zentrum für die Einsperrung des Terrorismus) in Form von 238 aus den USA abgeschobenen Venezolanern Zuwachs bekommen, die laut Präsident Donald Trump Mitglieder einer terroristischen Organisation sein sollen. Für den Liebesdienst zahlte Washington an den „Hipster-Autokraten” (Zitat aus dem „Spiegel”) Nayib Bukele, der die Aktion propagandistisch für sich zu nutzen wusste, sechs Millionen Dollar. Menschenrechte waren gestern.
„Make Orwell Fiction Again“, lautet der Aufdruck auf jenen Kappen, die als satirische Varianten der roten MAGA-Käppis, einem Accessoire-Fetisch der Trumpianer, zurzeit im Netz kursieren und zu kaufen sind. Und tatsächlich hat man sich an den Orwellschen Dauerzustand, der in den USA inzwischen zur neuen Normalität geworden ist, gewöhnt. Die Augenbrauen werden nur mehr auf halbmast hochgezogen, wenn in den Nachrichten verkündet wird, dass Trump von Putin „angepisst“ ist, überlegt, ein drittes Mal anzutreten und die Änderung der Verfassung sich völlig problemlos gestalten wird, das Bildungsministerium abgeschafft wird, Grönland in den Warenkorb kommen soll („Wir werden das schaffen“), sämtliche Diversitätsanstrengungen der letzten zehn Jahre zunichtegemacht werden und Trump insgesamt in den ersten 100 Tagen über 100 „exekutive orders” ausgegeben hat. Wie einst Pippi Langstrumpf im Guten macht sich Trump „die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt”, das Wording dazu lautet: „By the authority vested in me as president by the Constitution and the laws of the United States of America, it is hereby ordered”
Fun Fact oder vielleicht sogar Stimmungsindiz für rasselnde Sympathiewerte: Trumps Elternhaus im New Yorker Stadtteil Queens lag lange wie Blei im Immobilien-Regal und wurde Mitte März mit 61 Prozent Verlust seines ursprünglichen Kaufpreises vom vorigen Besitzer verkauft: Das Tudor-Haus mit 5 Schlafzimmern wechselte zu einem Schnäppchen von 836 000 Dollar den Besitzer.
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