Eine Übung des Bundesheeres, Soldaten vor einem Panzer
Österreich

Politische Pflichtübung: Wird der Wehrdienst doch verlängert?

Sollen Milizübungen Pflicht werden? Nein, finden ÖVP, SPÖ und Neos. Die Regierung könnten sie dennoch einführen. Wäre das sinnvoll?

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Sie sind in den vergangenen sechs Jahren beim Bundesheer eingerückt oder kennen jemanden, der seinen Wehrdienst in diesem Zeitraum geleistet hat? Dann gehören Sie oder Ihr Bekannter vermutlich nach wie vor dem Heer an – selbst wenn Ihnen das nicht bewusst ist.

Das Wehrgesetz sieht nämlich vor, dass junge Männer nach sechs Monaten Grundwehrdienst für sechs Jahre in den sogenannten Milizstand wechseln. Das bedeutet, dass sie zwar ihr Leben weiterführen, studieren oder arbeiten, falls es aber zu einem Ernstfall kommt, müssen sie als Milizsoldaten ihren zivilen Beruf pausieren und in den militärischen Einsatz wechseln. Theoretisch warten in einem Bataillon sechs Jahre lang ein Vorgesetzter, eine Uniform und eine Waffe auf sie.

Die meisten Betroffenen haben womöglich keine Ahnung davon. Das könnte sich in Zukunft ändern.

In den vergangenen Tagen hat die Debatte um eine alte Frage plötzlich eine neue Dynamik bekommen: Soll der Grundwehrdienst in Österreich länger dauern, und müssen junge Männer zu regelmäßigen Milizübungen verpflichtet werden – so, wie es bis vor 20 Jahren war? Bisher antworteten auf diese Frage nur die Freiheitlichen mit einem lautstarken Ja, in den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP forderten sie sogar bis zu zehn Monate Wehrdienst. Alle anderen Parteien waren dezidiert dagegen und sind es eigentlich nach wie vor. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, ÖVP, hatte bisher eine Verlängerung explizit ausgeschlossen. Trotzdem könnte ausgerechnet die Regierung aus ÖVP, SPÖ und Neos diese Pflichtübungen wieder einführen.

Iris Bonavida

Iris Bonavida

ist seit September 2022 als Innenpolitik-Redakteurin bei profil. Davor war sie bei der Tageszeitung "Die Presse" tätig.