Schwerpunktaktion der Wiener Polizei in Wien-Brigittenau
Wien

Krieg und Frieden

Auf Wiens Straßen bekämpfen sich syrische und tschetschenische Jugendbanden. Jetzt versuchen die Älteren aus den Communities, die jungen Burschen zu versöhnen. Aber funktioniert diese Konfliktlösung?

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„Manchmal wünsche ich mir, ich wäre nicht von dort“, sagt Fadi. Er heißt in Wirklichkeit anders, ist unter 30 und sitzt in einem kleinen Café zwischen Gemeindebauten in Wien-Brigittenau. Am Nachbartisch hört ein Mann eine Rede der deutschen rechtsradikalen Partei AfD in voller Lautstärke, Fadi erzählt derweil über seinen Familienclan. Fadi ist in Deir Ezzor in Ostsyrien aufgewachsen, seine Familie gehört zur Gruppe Al-Aqidat, bekannt unter der Nummer 505 – diese Chiffre war in den vergangenen Wochen immer wieder in den Schlagzeilen, weil syrische Jugendliche unter diesem Code Bandenkriege anzettelten. Fadi kann sich mit dem Al-Aqidat-Clan jedoch nicht identifizieren: „Sie machen nur Probleme, ich will damit nichts mehr zu tun haben.“

Viele Menschen aus den tschetschenischen und syrischen Communities sind sauer. Sie wollen nicht als „die Problemmacher“ dastehen. Die tschetschenische Diaspora hat damit schon Erfahrung. Vor acht Jahren, als monatelang Schlägereien zwischen Tschetschenen und Afghanen tobten, schlichteten Ältestenräte den Konflikt. Eine sehr patriarchale Konfliktlösung, aber es hat funktioniert.

In den vergangenen Wochen gerieten Jugendliche mit syrischen und tschetschenischen Wurzeln innerhalb von 48 Stunden drei Mal massiv aneinander, danach folgten Scharmützel. In der syrischen Community stellt sich die Frage: Wer kann hier vermitteln? Die syrische Gruppe ist sozial durchmischt. Akademiker aus Großstädten, die jetzt schon bald zehn Jahre hier sind, Jugendliche mit vom Krieg gebeutelten Lebensläufen, die erst später kamen, und konservativere Großfamilien vom Land. Wessen Autorität erkennen die Jungen an?

Natalia Anders

Natalia Anders

ist Teil des Online-Ressorts und für Social Media zuständig.

Clara Peterlik

Clara Peterlik

ist seit Juni 2022 in der profil-Wirtschaftsredaktion. Davor war sie bei Bloomberg und Ö1.