KOALITION: PRÄSENTATION DES REGIERUNGSPROGRAMMS VON ÖVP, SPÖ UND NEOS - BABLER/STOCKER/MEINL-REISINGER
Neue Regierung

Schwarz-rot-pinke Dreier-Koalition: Kann das was werden?

Dass die neue Regierung fünf Jahre halten wird, glauben die wenigsten. Wie das schwarz-rot-pinke Experiment funktionieren kann.

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Fünf Monate nach der Nationalratswahl am 29. September des Vorjahres liegt ein weiteres Endergebnis vor: Österreich erhält erstmals eine Drei-Parteien-Koalition, auf die sich ÖVP, SPÖ und Neos nach teils rumpeligen Gesprächen am Mittwoch einigten. Am Montag wird Bundespräsident Alexander Van der Bellen die neue Bundesregierung ernennen. Endlich.

In 17 von 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union regieren jeweils drei Parteien gemeinsam, ein derartiges Trio ist also durchaus Normalität. In Österreich dagegen bedeutet diese Variante ein Experiment in unsicheren Zeiten. In Deutschland ist die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP mit einem lauten Knall vorzeitig gescheitert. 

Wird die Ménage-à-trois hierzulande funktionieren? Mit drei Parteichefs, die noch nie Regierungsverantwortung trugen? Kann zusammenwachsen, was eigentlich nicht zusammengehört? Und ist es vorstellbar, dass diese Koalition bis zur nächsten regulären Wahl im Herbst 2029 hält?

Die Freiheitlichen, aber auch viele Kommentatoren geben der neuen Regierung keine Chance – bevor diese überhaupt im Amt ist. Mit einer Schonfrist darf die Dreierkoalition also nicht rechnen. Schafft sie es dennoch? Wird das was? 

Wie das schwarz-rot-pinke Experiment glücken kann.

Reformen, die notwendig sind

Die Neos crashten die ersten Verhandlungen mit ÖVP und SPÖ am 3. Jänner, weil die beiden großen Parteien für ihren Geschmack zu wenig Reformfreude zeigten. Will die Dreierkoalition erfolgreich sein, muss sie Umbauarbeiten im Land vornehmen. Vor allem ÖVP und SPÖ sind gefordert, in den kommenden Jahren auch der eigenen Klientel wehzutun: Beamten, Bauern, Pensionisten. Das Bewusstsein, dass sich etwas ändern muss, scheint gegeben: Im schwarz-rot-pinken Regierungsprogramm – Motto: „Jetzt das Richtige tun. Für Österreich.“ – kommt der Begriff „Reform“ auf insgesamt 211 Seiten 50 Mal vor.

Vor allem drei Bereiche sind es, in denen die neue Regierung gefordert ist: Budget, Wirtschaftsstandort und Beschäftigung sowie Migration. 

Die drei Regierungspartner wissen, dass sie nun liefern müssen. Das Regierungsprogramm spiegelt entsprechende Ambitionen wider, bleibt an vielen Stellen aber vage – auch, weil unklar bleibt, wie sich die budgetäre Lage in den nächsten Jahren entwickelt.

Doch ihre Inhalte müssen ÖVP, SPÖ und Neos erst einmal gemeinsam umsetzen. Dafür müssen die drei ungleichen Parteien aber auch auf persönlicher Ebene zu echten Partnern werden. Wie das gelingen könnte.

Eine schwarz-rote Spitze, die funktioniert

Zwischen den Heimatstädten von Christian Stocker (Wiener Neustadt) und Andreas Babler (Traiskirchen) fährt einmal die Stunde ein Dieseltriebwagen der ÖBB. Die Fahrt entlang der Aspangbahn dauert 32 Minuten. Als 1995 die letzten derartigen Wägen in den Jenbacher Werken produziert wurden, war der heutige SPÖ-Chef Andreas Babler gerade zum ersten Mal Gemeinderatsabgeordneter in Traiskirchen geworden. ÖVP-Chef Christian Stocker hatte dieses Amt in Wiener Neustadt bereits bei der vorangegangenen Gemeinderatswahl 1990 errungen. 2000 wurde Stocker Vizebürgermeister von Wiener Neustadt, 2014 Babler Bürgermeister von Traiskirchen – für beide das bisher höchste Regierungsamt ihrer beruflichen Karriere.

Gernot Bauer

Gernot Bauer

ist seit 1998 Innenpolitik-Redakteur im profil und Co-Autor der ersten unautorisierten Biografie von FPÖ-Obmann Herbert Kickl. Sein journalistisches Motto: Mitwissen statt Herrschaftswissen.

Iris Bonavida

Iris Bonavida

ist seit September 2022 als Innenpolitik-Redakteurin bei profil. Davor war sie bei der Tageszeitung "Die Presse" tätig.

Max Miller

Max Miller

ist seit Mai 2023 Innenpolitik-Redakteur bei profil. Schaut aufs große Ganze, kritzelt gerne und chattet für den Newsletter Ballhausplatz. War zuvor bei der „Kleinen Zeitung“.

Clemens Neuhold

Clemens Neuhold

Seit 2015 Allrounder in der profil-Innenpolitik. Davor Wiener Zeitung, Migrantenmagazin biber, Kurier-Wirtschaft. Leidenschaftliches Interesse am Einwanderungsland Österreich.