Konjunktur

IHS-Chef Bonin: „Österreich lebt über seine Verhältnisse“

Holger Bonin, Chef des Instituts für Höhere Studien, hat wenig Freude mit seinen Zahlen. Österreich ist das dritte Jahr in einer Rezession, Erholung ist nicht in Sicht. Ein Gespräch über die Gründe des Abstiegs und warum wir zu lange auf zu großem Fuß gelebt haben.

Drucken

Schriftgröße

Sie haben Ihre Wachstumsprognosen nun das vierte Mal in Folge nach unten korrigiert. Glauben Sie, dass die jetzt vom IHS prognostizierten -0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung bei der nächsten Konjunkturprognose im Sommer überhaupt noch aktuell sind?

Holger Bonin

Wir korrigieren ja unsere Prognosen laufend und passen sie an. Wenn Sie von Korrekturen sprechen, meinen Sie vermutlich, dass der Aufschwung noch immer auf sich warten lässt und wir das dritte Jahr in einer Rezession sind. Ein Grund ist, dass die privaten Haushalte kaum auf die gestiegenen Haushaltseinkommen reagieren und ihr Geld zusammenhalten. Die Sparquote ist gestiegen. Auch die Unternehmen halten sich wegen der vielen Unsicherheiten mit Investitionen zurück.

Der private Konsum war eine der Grundannahmen für das Anspringen der Konjunktur und mit ein Argument für die hohen Lohnabschlüsse und die zahlreichen Anti-Teuerungshilfen, die ausbezahlt wurden. Das hat offenbar nichts genützt?

Marina Delcheva

Marina Delcheva

leitet das Wirtschafts-Ressort. Davor war sie bei der "Wiener Zeitung".