Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) am Donnerstag, 23. April 2026, anl. eines Spatenstichs im Rahmen einer PK Land Oberösterreich "Google-Rechenzentrum in Kronstorf"
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Wie Rechenzentren unsere Stromversorgung ans Limit bringen

In Österreich könnten schon bald mehr Rechenzentren gebaut werden, als unsere Stromnetze überhaupt versorgen können. Wenn Erneuerbare Energien und Netze nicht massiv ausgebaut werden, drohen Engpässe und Stromausfälle.

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Strahlend blauer Himmel, Felder bis zum Horizont. Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) grinst mit einem riesigen Guglhupf in der Hand in die Kamera. Ein typisches Bild aus der österreichischen Landespolitik. Aber das, was Thomas Stelzer auf einer traditionellen Spitzendecke präsentiert, ist nicht einfach ein Guglhupf, es ist ein „Googlehupf“, wie er sagt. Hinter dem Wortspiel verbirgt sich ein globales Milliardengeschäft mit unseren Daten, das bald auch hier in Oberösterreich Rendite abwerfen soll.

Stelzer feiert den Spatenstich für das Google-Rechenzentrum in Kronstorf. Wenige Wochen später sieht die Fläche dort schon weniger nach Heimatfilm und mehr nach postmoderner Baustelle aus. Baufahrzeuge rollen auf Staubpisten und errichten auf einer Fläche, die 70 Fußballfeldern entspricht, ein Datenzentrum, das nach seiner Fertigstellung mehr Strom verbrauchen wird, als alle Haushalte in Oberösterreich gemeinsam. 

Aber keine Sorge, Google gleicht den Stromverbrauch all seiner Rechenzentren mit erneuerbarer Energie aus, heißt es auf Nachfrage. Ausgleichen heißt nicht beziehen, das geht auch gar nicht. Ob Google zu diesem Zwecke CO2-Zertifikate einkauft, blieb unbeantwortet. Der Konzern investiere aber über Stromabnahmeverträge in neue Energieerzeugungsprojekte in Österreich, um das lokale Stromnetz zu unterstützen.

Österreich kann seinen Strombedarf nicht zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasser, Wind und Solarkraft decken. Geschweige denn Oberösterreich. Während in Kronstorf die Bagger anrollten, tobte in Oberösterreich gerade wieder die Diskussion um Windkraft.

Nicht nur, dass Österreich noch zu wenig eigenen grünen Strom herstellt, um den Bedarf zu decken. Auch die Netze ächzen unter der aktuellen Belastung. So ein Megaprojekt wie das Google-Rechenzentrum hat das Potenzial, sie weitflächig zu überlasten. Die Austrian Power Grid (APG) musste für Kronstorf einen neuen 220 Kilovolt (kV)-Versorgungsring errichten, zwei Umspannwerke ausbauen und das neue Werk dann an eine Starkstromleitung anschließen.

Und Google ist nicht der einzige Techriese, der in Österreich Datenzentren baut. Seit fast einem Jahr laufen in Niederösterreich gleich drei Microsoft-Zentren mit enormem Energieaufwand. Auch für sie mussten die Wiener Netze eine eigene Schaltanlage errichten. 

Was sind Rechenzentren

Ein Rechenzentrum ist ein Gebäude, in dem große Mengen an Computern stehen, die Daten speichern, verarbeiten und über das Internet bereitstellen. Dort laufen unter anderem Cloud-Dienste, Streaming-Plattformen, Unternehmenssoftware und Anwendungen für künstliche Intelligenz – etwa das Training und der Betrieb von KI-Modellen.

Verträge für 20 Projekte in Wien

Der Datencenter-Boom ist angekommen. Nur: Den Überblick, was dieser für Österreichs Stromnetz und für die Umwelt bedeutet, der fehlt. „Wir können noch nicht viel sagen“, so die häufigste Antwort auf Anfragen zu einer Einschätzung, egal ob von Fachleuten oder offiziellen Stellen.

Was sich zumindest sagen lässt, ist, wie viele potenzielle Rechenzentrums-Betreiber Anschluss an das Netz beantragt haben. Bei größeren Projekten gehen die Anfragen an die APG, bei kleineren an die lokalen Netzbetreiber in den Ländern. Wobei eine Anfrage nur in wenigen Fällen tatsächlich zur Umsetzung führt. In Wien zum Beispiel wird nur jedes fünfte Projekt umgesetzt. In Oberösterreich gab es 15 Anfragen und nur zwei bis drei Projekte, die in den vergangenen Jahren tatsächlich gebaut werden.

Ernster wird es, wenn es schon Verträge gibt. Bemerkenswert hier die Leistungsgrößen. Ein Beispiel: In Niederösterreich berichten die Netze Niederösterreich von Umsetzungsverträgen für Rechenzentren, die zusammen 440 Megawatt an Energie brauchen. Zum Vergleich: Die Stadt Krems benötigt 50 MW. Das beschreibt die Leistung, die im Moment maximal aus dem Netz bezogen werden kann. 

Rechenzentren-Hotspot ist aber Wien: Hier gibt es Verträge für rund 20 Projekte mit einer Gesamtleistung von rund 600 MW. Diese Projekte sind entweder bereits in Betrieb genommen worden oder befinden sich in der Umsetzungsphase. Außerdem hatte sich die Stadt selbst für eine EU-geförderte, milliardenschwere KI-Gigafabrik beworben. Das Projekt liegt aber derzeit auf Eis. 

Wer all diese Anfragen stellt, ob es große Betreiber sind, vielleicht sogar globale Techgiganten, verraten die Netzbetreiber nicht.

Hoher Strombedarf, zu wenig Angebot

Die größte Herausforderung, fassen es die Netze Oberösterreich zusammen, liegt in der Schaffung ausreichender Netzkapazitäten. Der allgemeine Leistungsbedarf nimmt überall zu. Denn Österreich fährt eine Strategie der Elektrifizierung. Das bedeutet, im Verkehr wird auf E-Mobilität umgestellt, beim Heizen auf Wärmepumpen, und speziell in Oberösterreich treibt die Voest-Alpine ihre Dekarbonisierung voran. All das schluckt Unmengen an Strom. Und wenn der Strombedarf steigt, steigen in der Regel auch die Strompreise.

In Niederösterreich gibt es seit kurzem eine Rechenzentren-Strategie – ab einer gewissen Größe braucht es eine eigene Widmung. Das Ziel ist, Standorte mit ausreichend Energie und starken Netzen auszuwählen. Auch eine Zonierung, ähnlich der Windkraft, wird in Niederösterreich diskutiert. 

Bundesweit fehlen aber Regulierung und Strategie, kritisieren Netzbetreiber und Branchenkenner. Denn die Auswirkungen werden massiv: Drei Prozent der Energie in Europa wurden 2025 bereits für Datenzentren verbraucht, berichtet die Internationale Energie Agentur. In Irland sind es sogar 30 Prozent. 

Europa muss sich zwischen KI und Klimazielen entscheiden, mit dieser Aussage fiel der Chef der European Data Centre Association Lex Coors kürzlich auf. Der Kontinent sei nicht bereit, die Rechenzentren klimaneutral zu versorgen, also müsse man wieder auf Atomkraft oder fossile Energie setzen. Das tut Irland zum Beispiel, Rechenzentren hängen dort wieder an Gaskraftwerken, so viel zur „grünen Insel“. 

Enormer Ressourcenverbrauch

Aber was bringen diese Rechenzentren der Wirtschaft überhaupt? Der Staatssekretär für Digitalisierung Alexander Pröll spricht gerne von einer Stärkung des Standorts, auch Thomas Stelzer erzählte in seinem Googlehupf-Video von Innovation und Investition in die Zukunft. Microsoft stellt in Niederösterreich zwar seine Server-Infrastruktur der Region zur Verfügung. Jobs bieten aber sowohl Google als auch Microsoft wenige: Nicht mehr als 100 Arbeitsplätze entstehen jeweils. 

Was wirklich bleibt, sind die Auswirkungen auf die Umgebung, warnen Umweltschutzorganisationen. Das riesige Google-Zentrum entsteht dort, wo früher Felder waren, und abgesehen vom Flächenverbrauch produzieren die Serverfarmen auch riesige Mengen an Abwärme, kritisiert die Umwelt-NGO Global2000. Die kann aber auch nützlich sein, wie ein Beispiel in Wien zeigt. Dort wird die Klinik Floridsdorf durch Abwärme eines Rechenzentrums beheizt. 

Solche Zentren brauchen aber 24/7 Abkühlung, sonst überhitzen nicht nur die Server, es herrscht auch akute Brandgefahr. Dafür braucht es enorme Wassermengen, und das Wasser wird durch die Abwärme ordentlich aufgeheizt. Bevor es zurückfließt, muss es wieder gekühlt werden. Das Versprechen von Google, die Wasserqualität und die Intaktheit der Ökosysteme in den Gemeinden zu sichern, sieht die NGO Global 2000 kritisch. 

In Oberösterreich hat sich bereits Widerstand formiert, wenn auch im Rahmen von kleinen Bürgerinitiativen. Viel größer ist der Widerstand gegen Rechenzentren bereits in den USA und in Irland. Letzteres sei ein Warnsignal, was passieren könnte, wenn man nicht reguliert, warnt Global 2000. Dort sind Stromausfälle in Dörfern bereits an der Tagesordnung, weil die Rechenzentren die Stromnetze regelmäßig an ihre Belastungsgrenze treiben. Und auch die Netze Oberösterreich warnen: Der Bedarf wächst schneller als neue Kapazitäten geschaffen werden. Die Frage der Zukunft droht also zu lauten: Wer bekommt den Strom? Das Rechenzentrum, oder die Haushalte. 

Maria Prchal

Maria Prchal

ist seit 2025 Redakteurin im Digitalteam. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Sozialpolitik, Klima und technische Themen.