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Genetik: Ein neue Methode berechnet die Zeit bis zum Tod

Eine neuartige molekulare Uhr ermittelt das biologische Alter und die verbleibende Lebenszeit – auch bei Menschen.

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Das Versprechen klingt faszinierend und unheimlich zugleich: Forschende haben eine Methode vorgestellt, die ermitteln soll, wieviel Zeit man noch bis zum Tod hat. Dem Fachjournal „Nature“ zufolge handelt es sich dabei um eine sogenannte molekulare Uhr, die auf Basis von genetischen Daten die verbleibende Lebenszeit berechnen kann.

Molekulare Uhren sind keineswegs neu. Es gibt verschiedene Technologien, die aber alle darauf abzielen, das biologische Alter zu bestimmen – und Einflussfaktoren, die dieses beschleunigen oder bremsen. Manche Ansätze untersuchen Stoffwechselprozesse, andere bestimmte Proteine, wieder andere konzentrieren sich auf die Epigenetik: auf Einflüsse aus der Umwelt, die chemische Veränderungen im Erbgut bewirken.

Messung des biologischen Alters

Die nun von Forschenden der Harvard Medical School in Boston entwickelte molekulare Uhr zielt darauf ab, bestimmte Gene in den Blick zu nehmen. Beziehungsweise: die Aktivität dieser Gene. Der Grundgedanke ist, dass Gene mehr oder weniger aktiv sind, abhängig vom Alterungsprozess. Derart soll die Genaktivität als Gradmesser für das biologische Alter dienen.

Das Forschungsteam kalibrierte seine molekulare Uhr anhand zahlreicher Gewebeproben von vier Spezies: Mäuse, Ratten, Makaken – und Menschen. Auch Einflussfaktoren wie chronische Krankheiten, Medikamente und Ernährung wurden berücksichtigt. Letztlich gelang es, genetische Signaturen zu identifizieren, die Vorhersagen über die verbleibende Lebensspanne geben sollen.

Wollen wir wissen, wann wir sterben?

Freilich: Von einer praktischen Anwendung in der Medizin ist die Methode noch weit entfernt – zum Glück, könnte man meinen. Denn gerade wenn sie tatsächlich so zuverlässig funktionieren sollte wie behauptet, stellt sich eine Menge an Fragen ethischer Natur: Wer entscheidet, ob man die verbleibende Lebenszeit eines Menschen ermitteln darf? Und was verfährt mit wie bei jeder Methode zwingend auftretenden falschen Ergebnissen?

Vorerst soll die Uhr allerdings lediglich für Forschungszwecke dienen und somit auf den Einsatz im Labor beschränkt sein. Fachleute prognostizieren ihr in diesem Umfeld durchaus hohen Nutzen.

Die molekulare Uhr ist allerdings nur ein Beispiel für ein viel größeres Thema: Die Molekularbiologie macht atemberaubende Fortschritte in vielen Bereichen der Medizin, und es ist schwer, mit all den Durchbrüchen Schritt zu halten. Debatten über die Anwendung der wachsenden Fülle an Möglichkeiten hinken jedoch deutlich hinterher.

Alwin Schönberger

Alwin Schönberger

leitet das Wissenschafts-Ressort.